Fontane und der Waldsee

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"Freienwalde - Hübsches Wort für hübschen Ort" mit diesen von Theodor Fontane stammenden Worten bewirbt Bad Freienwalde sich im Jahr 2019, dem "Fontane 200 Jahr". Reklame und Inhalte zu diesem Jubiläum sind touristisch aufgearbeitetet worden. So zum Beispiel ein Fontane-Audioguide zur Stadt. Fontane hat sich des Öfteren hier herumgetrieben. Das lag zum einem daran, dass sein Vater seine letzten Jahre in Schiffmühle verbrachte, was direkt in der Nähe liegt und zum anderen, dass zwischen Falkenberg und Bad Freienwalde, sowie hinter Bad Freienwalde eine für Brandenburg untypische Landschaft liegt. Wer dort wandert, denkt, dass er im Mittelgebirge unterwegs ist. Das wird besonders deutlich, wenn man das Turmdiplom erwandert. Dazu werde ich dieses Jahr auch noch einen Beitrag schreiben. Nun wieder thematisch zurück zur Wanderung. Unser Start war der Fontaneplatz im Kurviertel. "Unser", soll in diesem Fall bedeuten, dass ich nicht alleine unterwegs war. Meine liebe Frau, der gute Fabian und seine begeisterte Lebensgefährtin Maria haben mich begleitet. Von dort aus sind wir Richtung Kurbad gelaufen und dabei an prächtigen Villen, einer Statue und einem kleinen Teich vorbeigekommen. Der Kurbetrieb hat in Bad Freienwalde eine lange Tradition. Das 1789/90 erbaute Kurmittelhaus (siehe Galerie) dient heute der Allgemeinheit und nicht nur, wie früher, Königen und Kurfürsten. Hier steht heute Erholung für Körper und Geist im Mittelpunkt. Dafür wird unter anderem das schwefelhaltige Naturmoor genutzt. Bereits 1684 linderte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg hier sei Gichtleiden mit dem frischen Quellwasser. Aus dieser Zeit stammen auch die Villen in diesem schönsten Stadtteil von Bad Freienwalde.

Den ersten Stopp machten wir hier an der Kurfürstenquelle, an der das Konterfei vom bereits erwähnten Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg prangt. Das Wasser ist das ganze Jahr schön kalt und ein angenehmer Erfrischungsfaktor. Egal ob an Händen, Beinen, Gesicht oder direkt in den Mund. Ich habe schon des Öfteren gesehen, dass Menschen mit Flaschen kamen und sich für die Wanderung oder den Haushalt Wasser abgefüllt haben. Zurück an unserem Hauptweg befindet sich am Waldeingang ein Barfußpfad, der zum Begehen einlädt. Direkt daneben sind Geräte um seinen Bewegungsapparat in Schuss zu halten. Es macht Spaß die Outdoorgerätschaften auszuprobieren. Sie scheinen allerdings eher für ein älteres Publikum erstellt worden zu sein. Anbei befindet sich auch ein kleiner Geologielehrpfad. Bilder dazu in der Galerie. Besonders wichtig zu erwähnen finde ich aber dein relativ neu eingerichteten Weg "Atem schöpfen". Beitrag folgt in diesem Jahr.

Theodor Fontane - Frühlingslied

Der Frühling kam, der Weltbefreier,
Die Erde lebt und grünt und blüht,
Am Himmel keine Wolkenschleier,
Und ohne Wolken das Gemüt.

Die Vögel singen und Menschen singen.
Und wie die Lerche himmelwärts,
Will sich empor zur Gottheit schwingen
Im Dankgebet das Menschenherz.

O Herz! es brach sterben Frühlingssonne
Des Winters wohl Ketten entzwei,
Wohl ziemt der Erde Dank und Wonne; -
Auch du bist doch von Ketten frei? -


Nach diesem schönen Gedicht von Theodor geht es jetzt ab in den Wald. Um genau zu sein in eine Schlucht. Wie auf dem Bild zu sehen, steigt das Gelände links und rechts an. Wir befinden uns im Märkischen Bergwanderpark. Wie zu Anfang erwähnt, bekommt man in diesem schönen Teil von Brandenburg schnell und einfach den Eindruck im Mittelgebirge unterwegs zu sein. Auf unserem Weg kommen wir an der Umkehrbank vorbei. "Bis zu Umkehrbank" ist ein Film über den in Bad Freienwalde geborenen Hans Keilson. Kurz dahinter kommt der ehemalige Rosengarten, welcher einst Friedhof für die Kurgäste war, die keine Heilung fanden. Wir folgen weiter unserem Schluchtenweg, dem Brunnental. In einer Kurve erreichen wir die Stadtwaldhütte, sind aber noch zu frisch und zu angeregt, um zu pausieren. Wir wandern, lauschen den Vögeln und atmen den Duft des Waldes. Gespräche kommen und gehen, die Sonne verwöhnt unsere vom Winter erkalteten Knochen.

Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Band 2 "Das Oderland"

 

"Es ist dies die Begräbnisstätte nicht für Freienwalde selbst, sondern für die, die als Gäste kamen, um Genesung zu suchen und sie schließlich an dieser Stelle zu finden. Dieser Friedhof heißt der Rosengarten. Er heißt so, nicht aus Laune oder Einfall, vielmehr führte der ganze Fleck Landes diesen Namen, lange bevor der erste Gast in diesen Garten einzog. Es hat das folgenden Zusammenhang. Die weiten Waldreviere, die Freienwalde nach Westen hin umgeben und alle Talschluchten mit Laubholz füllen, waren in alten Zeiten schon mit weiß und rot und gelb blühenden Wildrosen dicht überwuchert, und wer um die Johanniszeit durch diese Schluchten hinschritt, dem war es, als flögen bunte Schmetterlinge vor ihm her. Die Stelle aber, wo die Rosensträucher am dichtesten standen und einen kleinen Wald im Walde bildeten, diese Stelle lag im Rücken des Brunnentals und hieß der »Rosengarten«. Die Sträucher verschwanden allmählich, das erste Grab erhob sich, andere folgten, die Steinmauer wurde gezogen, – aber der Name blieb, und von den Gestorbenen heißt es sinnig und ungezwungen: »Sie schlafen im Rosengarten.«"

 

Nach dem wir eine ganze Weile unserem Weg geradeaus gefolgt sind, dürfen wir scharf nach links abbiegen. Die bisher leicht zu gehende, eher minimale (wenn auch stetige) Steigung ändert sich nun etwas. Direkt in der Kurve konnte ich einen Mann entdecken, der in aller Ruhe, zwischen den Wegen, im Schatten unter einem Baum lag, die Augen geschlossen hatte und einfach das bloße Leben genossen hat. Besser kann man Waldbaden wohl nicht durchführen. Wir verlassen das Brunnental und steigen auf die Endmoräne. Der nächste Punkt auf der Karte heißt "Hütte am Teller". Auch hier nur ein kurzer Blick, denn wir wollen zum See. Immer wenn man hochsteigt, muss man auch irgendwann wieder absteigen. Manchmal folgen diese Punkte leider recht schnell aufeinander. Unser sofortiger Absteig zum See war auch wieder an Tälern/ Schluchten entlang. Es ist gut ersichtlich, dass die Eiszeiten hier gearbeitet haben. Gut ersichtliche Ablaufrinnen, Toteislöcher, wie das Baaseemoor und der

Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Band 2 "Das Oderland"

 

"Weiter in den Wald hinein, etwa eine halbe Meile im Rücken des Rosengartens, liegt der Baasee, der Liebling und der Stolz der Freienwalder. Sie überschätzen ihn offenbar, vielleicht weil er das landschaftlich einzig in Betracht kommende Wasserstück ihrer schönen aber etwas monotonen Landschaft ist, vielleicht auch weil er Versteckens spielt und nach Art vielumworbener Schönen sich dem Werber entzieht."

 

Baasee. Da ist er ja, der kleine süße Waldsee. Der gute Fontane hatte ja leider nicht viel für den See übrig wie ihr gerade lesen konntet. Schön ist ja, dass sich jeder sein eigenes Urteil bilden darf. Diesen Ausblick hat man von einer kleinen Pausenhütte aus. Dort haben wir dann erstmal ein Fontane Pale Ale vom Barnimer Brauhaus genossen. Dieses haben wir vorher in dem schönen kleinen Laden Oderbruchwaren in Bad Freienwalde gekauft. Danach sind wir rechts um den See auf die andere Seite des Sees. Es waren keinerlei Biberspuren zu entdecken, was eine Seltenheit in brandenburgischen Gefilden ist. Man kann aber auch oberhalb des Sees gehen. Dabei haben wir auch den höchsten Baum Brandenburgs entdeckt. Eine von Prof. Adam Schwappach gepflanzte Douglasie mit einer Höhe von 48,2 Metern. Diese ist eigentlich im Nordwesten der USA und Kanada beheimatet. Gemessen wurde der Wert im August 2000 unter der Schirmherrschaft von Jörg Schönbohm.

Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Band 2 "Das Oderland"

 

"Was den Baasee zu keiner tieferen Wirkung kommen läßt, ist wohl das, daß er jener Mischgattung von Seen angehört, die zu finster sind, um zu erheitern, und doch wieder zu heiter, um den vollen Eindruck des Schauerlichen zu machen. Viel freilich hängt dabei von der Beleuchtung und noch mehr vielleicht von der Jahreszeit ab. Wir sahen ihn bei Sonnenschein. Ein Boot mit zwei Jägerburschen fuhr über den See; der eine ruderte, während der andere von Zeit zu Zeit Hornsignale in den Wald blies. Ungleich schöner muß es an dieser Stelle sein, wenn das Laub hin ist und statt der grünen Kronen die grauverzweigten Buchen ihr Bild in den See werfen. Am schönsten aber in Sturm- und Winternächten, wenn der Mond grell-eisig am Himmel steht und statt des Jagdhorns des Jägerburschen, das eben verklingt, das Hallo des wilden Jägers über Wald und See zieht."

 

Zur Mittagspause sind wir in der Baaseeklause eingekehrt. Ein wirklich schönes, skurriles und verwunschenes Ambiente herrscht dort. Das Essen ist anständig rustikal, passend zum Ort. Besonders toll finde ich, dass es dort keine Pommes gibt, sondern Bratkartoffeln ohne Speck und dafür mit Kräutern und Zwiebeln. Des Weiteren gibt es Kuchen und eine große Getränkeauswahl. Sitzen kann man drinnen und draußen. Ein idealer Ort für einen Ausflug. Man kann dort auch mit dem Auto hinfahren, Kaffee und Kuchen genießen und eine Runde um den Baasee laufen. Also etwas für die gesamte Familie, von jung bis alt. Wir hatten an diesem Tag wohl Glück und keine Probleme einen Sitzplatz zu finden. Das soll wohl auch oft ganz anders sein. Nun wieder zum See. Es gibt natürlich auch Sagen und Geschichten zum See. "Die versunkene Kapelle im Bassee" und "Der weiße Wassernix im Baasee" sind nur 2 davon und unter diesen beiden Verlinkungen lesbar (wie auch andere Sagen dieser Gegend).

Theodor Fontane - Mittag

 

Am Waldessaume träumt die Föhre,
Am Himmel weiße Wölkchen nur,
Es ist so still, dass ich sie höre,
Die tiefe Stille der Natur.

 

 

Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch es klingt als ström' ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.


Ab dem Parkplatz der Baaseeklause sind wir den Siebenhügelweg zurück Richtung Bad Freienwalde gegangen. Der Hinweg also durchs Tal und Rückweg als Kammweg. Eine schöne Abwechslung. Der Weg ist ebenfalls leicht zu gehen und macht seinem Namen lediglich an einer Stelle wahr. Auffallend ist, dass im Moment viele Bäume anfangen auszuschlagen. Im Wald brauchen die Bäume aber wohl noch etwas Zeit. Anders als an Straßen, Gärten und Parks stehen hier viele zusammen und alle haben Durst. Noch dazu hat ja jede Baumart ihr eigenes Tempo und bevorzugte Zeiten um die Blätter zu entfalten. Überall am Wegesrand sehen wir diese Steintürmchen, welche im deutschen Sprachraum wohl als Steinmännchen bezeichnet werden. Meist steht dahinter kultureller und/ oder religiöser Brauch dahinter. In vergangenen Zeiten und anderen Ländern wurden sie als Wegmarkierung genutzt und um böse Geister fernzuhalten. Das scheint auch zu funktionieren. Wir hatten unterwegs weder mit bösen Geistern noch mit Abwegen zu

tun. Unsere Wanderung neigt sich langsam dem Ende zu. Wir sind über einen kleinen Weg zur "Kapelle" gekommen. 1887 im neogotischen Stil errichtet und 1993 umfassend restauriert, präsentiert sich dieser kleine Bau unseren Augen. Von dort oben hat man einen schönen Ausblick auf die Kurgebäude und das Brunnental. Kein Wunder, bis zum Meeresspiegel geht es auch 84 Meter in die Tiefe. Eigentlich heißt dieses Gebäude auch Brunnenkapelle und hatte mal Kreuz, dass den 1840 verstorben König Friedrich Wilhelm III. ehren sollte. Dies verschwand in der DDR. Nun gilt es von 84 Metern auf ca. 8-9 Meter herab zu steigen. Dafür gibt es eine lange Treppe. Hinab geht sie ja noch, doch, wenn ihr euch auf den Weg macht, dass Turmdiplom zu erwandern und in Falkenberg startet, ist diese Treppe aufwärts zu steigen und glaubt mir, das macht an dieser Stelle keinen Spaß. Was aber hilft, ist vorher einen kräftigen Schluck aus der Kurfürstenquelle zu nehmen und die

erfrischende Anlage daneben zu nutzen. Wie auf dem Bild gut zu erkennen ist, befinden wir uns nun hinter der Kurfürstenquelle. Wir sind also gleich fertig mit unser kleinen Wanderung. Vorher nutzen wir aber diese schöne, mit kühlem Quellwasser gespeiste Kneippanlage. Diese wohltuende Kur verdanken wir Sebastian Kneipp. Hier mal eine kleine Anleitung zum Wassertreten. Das Wasser sollte auf jeden Fall unter 18° Celsius haben. Die Beine sollten je nach Wassertiefe bis zu den Knien frei sein. Dann geht es im Storchengang (ein Bein im Wasser und das andere Bein ist draußen und geht einen Schritt) durch das Becken. An einem so warmen Tag wie heute kühlt es den Körper angenehm herunter und man verspürt wieder mehr Kraft im Körper. Weiter soll Wassertreten den Kreislauf anregen, die Durchblutung fördern, Venen kräftigen und gegen Krampfadern helfen, bei Migräne helfen, den Stoffwechsel anregen und das Immunsystem stärken. Aufgefrischt sind wir dann durch die Parkanlage des Kurbetriebes und durch den von Lenné angelegten Landschaftspark gewandelt. Dabei sind wir noch auf den Marmor-Stier gestoßen (siehe Galerie). Wieder am kleinen Teich, mit dem "Café Blaue Zwiebel" und der zum Teich gehörenden Papenmühle vorbei ging es wieder zum Fontaneplatz und dem Auto. Eine wirklich nette Strecke, die in einigen Wochen, wenn alles grün ist, sicherlich noch schöner wirkt. Auch im Hochsommer dürfte diese Waldtour angenehmer sein als ein Feldweg. Zumal sich auf der Hälfte ja auch ein schmackhafter Pausenplatz befindet, sodass man lediglich etwas zu Trinken mitnehmen muss. Viel Spaß beim Nachwandern!

7,33 Meilen * 1,6 = 12 Kilometer

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