Großer Berg im flachen Land

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Jetzt im April ist die Zeit der Adonisröschenblüte und unser Osterbesuch aus Schleswig-Holstein wollte das gelbe Blümchen gerne mal sehen. Da im Internet die besten Punkte zur Betrachtung bekannt gegeben werden und die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) auf der Strecke des RB 60 sogar einen Sonderhalt zur Blüte hat, konnte ich dieses Ziel gut realisieren. Wir sind aber mit dem Auto nach Podelzig gefahren, da wir das Ganze mit einer Wanderung verbinden wollten. Hier an der Kirchruine haben wir geparkt und uns erstmal die Ruine angesehen. Unten ins Tor kommt man gut herein. Doch oben auf den Kirchturm und zu den Glocken hat uns ein glücklicher Zufall gebracht. Vor Ort waren 2 Herren und der eine erklärte dem Anderen geschichtliche Zusammenhänge. Ich fragte einfach mal, ob es eine Möglichkeit gäbe, auf den Kirchturm zu kommen (Zugang abgeschlossen). Daraufhin haben wir einen begeisterten Geschichtsvortrag zur Kirche, Podelzig und

Besitzverhältnissen bekommen. Das Ganze bei bester Aussicht auf dem Turm und im Glockenstuhl. Wir bedankten uns herzlich für die schöne und informative Privatführung des Ortschronisten und machten uns auf unseren Weg. Dieser schöne Weg führt nach Wuhden, einem Ortsteil von Podelzig. Der Ortschronist erzählte, dass die Leute heute lieber außerhalb des Dorfes bauen, da hier zum Ende des 2. Weltkrieges heftige Kampfhandlungen stattfanden und es noch eine Menge Blindgänger im Boden gibt. In Wuhden gab es dann auch tatsächlich neue Häuser und es wurde auch gebaut. Nach diesem Ortsteil führte unser Weg immer weiter bergab. Wir sind nämlich die Ausläufer des Reitweiner Sporns hinabgegangen. Der Sporn ist auch namensgebend für unsere heutige Wanderung. Dieser Berg ragt wie ein Dorn aus der Landschaft heraus und ist, wie leicht zu erwarten das Ergebnis der Eiszeiten. Nach den Pflastersteinen folgte Asphalt und dann hatten wir, wie im nächsten Bild wieder einen

Sandboden. Die Gelenke danken! Wir sind unterhalb der östlichen Seite des Sporns entlang nach Norden gewandert. Das bedeutete, dass wir links Bäume und den sich erhebenden Sporn hatten und nach rechts trockenes Ackerland. Auch im südlichen Zipfel des Oderbruchs hat man das Gefühl, dass man soweit sehen kann, dass man schon heute weiß, wer morgen zum Kaffee kommt. Das erinnert mich an Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Im Gegensatz zur gestrigen Wanderung fehlen die Sitzgelegenheiten für eine Mittagspause. Der Weg ist zwar nicht weit, wir sind aber früh los und waren vorher noch bei Lebus an den Oderhängen und haben dort auch schon die Adonisröschen bewundert. Die 7 letzten Bilder in der Galerie sind bei den Oderhängen entstanden. Irgendwann haben wir dann gefällte Bäume als Bänke genutzt. Dabei hat mir eine schöne Hummel Gesellschafft geleistet und als Fotomodel gedient. Frisch gestärkt ging es dann weiter nach Reitwein. Am Fuße des Sporns

haben wir dann eine kleine Wegänderung vorgenommen. Ein Wegschild hat uns eine schöne Aussicht versprochen und die wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Karte unten zeigt den Weg, den wir dann auch genommen haben. Der stetige Anstieg war gut zu nehmen und stellte uns vor keine Herausforderung. Unterwegs schlüpften kleine Farne links und rechts aus dem Hang und haben sich einen Platz an der Sonne ergattert. Oben angekommen folgte auch gleich der Wegweiser nach links zum Aussichtsplatz. Wir ihr auf dem nächsten Bild sehen könnt, war die Aussicht enorm und damit die Entscheidung den geplanten Weg zu ändern vollkommen richtig. Bänke zum bedächtigen Genuss des Ausblicks waren ebenfalls vorhanden. Unten ist eine Start- und Landebahn für Paraglider. Die 81 Meter des Sporns sorgen wohl für gute Aufwinde. Beim kurzen Päuschen sind uns Käfer aufgefallen, die wir vorher noch nicht wirklich gesehen hatten in unserem Leben. Die erste Begegnung an

diesem Tag hatten wir mit den Käfern bei den Oderhängen bei Lebus. Wir rätselten schon den ganzen Tag, was das, wohl für Käfer sein könnten. Und hier treffen wir sie wieder. Im Spaß meinte ich noch, dass wir nachher bei dem Naturschutzgebiet Priesterschlucht bestimmt eine Infotafel finden, wo der Käfer benannt ist. So sollte es dann auch tatsächlich sein. Die beiden Krabbler unten in der Galerie sind Violette oder Schwarzblaue Ölkäfer. Vorsicht! Sie können ein giftiges Sekret absondern. Nun wieder zum Weg. Wieder auf dem Hauptweg dauerte es nicht lang, bis wir zu einem Abzweig kamen, der uns zu einem alten Slawenwall führte. Die Slawen sollen hier vom 8.-10. Jhd. gesiedelt haben. Das belegen auch in den 30er-Jahren durchgeführte Ausgrabungen. Auf dem Bild ist der äußere Wall des ersten Walls zu sehen. In der Galerie befindet sich noch ein Panoramabild vom Innenbereich. Hier oben, von Wällen umgeben, waren sie gut gegen Angreifer gesichert. Ein Großteil um

den Wall herum bildet die Spornkante, der Nachtigallen- und der Biergrund. Über eine Art asphaltierten Kamm(Hochebenen)weg sind wir dann zur Priesterschlucht gelangt. Das schöne Adonisröschen war unser nun gefundenes Wanderziel. Die Namensgebung passt nicht ganz zu unserem gelben Adonisröschen. Es gibt nämlich auch rote und die griechische Mythologie besagt, dass Aphrodite ihren Liebling Adonis in jenes rote Adonisröschen verwandelte, nachdem er von einem Eber getötet wurde, den der eifersüchtige Ares gesandt hatte. Hier in der Priesterschlucht findet das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) auf jeden Fall optimale Bedingungen vor. Es ist warm und der Boden, beziehungsweise die Hänge sind Trocken- und Steppenrasen. Ihren Ursprung hat das zarte Blümchen in Sibirien. Die 10 bis 40 cm hohe Pflanze hat Wurzeln, die bis in einen Meter Tiefe dringen. Nachdem wir ca. 3/4 der Schlucht hinter uns gelassen haben, konnten wir einen kleinen Stand mit

Kaffee, Kuchen und Sitzgelegenheiten ausmachen. Joachim war begeistert und der Kuchen wirklich gut. Sogar so gut, dass die beiden Schleswig-Holsteiner einen Nachschlag nahmen. Zurück in der Wirklichkeit stehen wir inzwischen an einer Straße, die wir nach einigen Metern Richtung Norden überquerten. Unter einem alten Bahndamm durch (so zumindest unsere Vermutung) gelangen wir auf unserem Weg wieder nach Podelzig und kommen am Auto an. Erstmal lüften! Das Auto stand die ganze Zeit in der Sonne. Auf dem Rückweg haben wir dann noch einmal auf der zerbombten Altstadtinsel von Küstrin Station gemacht und ich habe beide durch die Anlage geführt. Das war ein lohnenswerter Ausflug!

7,79 Meilen * 1,6 = 12,5 Kilometer

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