Panoramarundweg Bad Belzig

Dieser Artikel enthält Werbung

 

 

 

Es ist Ende Juli und der Besuch (Gerlind) ist seit einigen Tagen weg. Ich habe noch Urlaub und war noch nie im Fläming. Also auf nach Bad Belzig. Der Ort ist gut über Berlin mit dem Zug zu erreichen. Im Vorfeld habe ich mir natürlich schon eine Unterkunft gesucht, die ich gerade am Vormittag angekommen erst einmal aufsuche und meine Sachen ablade. Ich habe 4 Tage Zeit den Fläming zu erkunden und was bietet sich da besser an als ein Panoramaweg, um erst einmal einen Überblick zu bekommen. Da ich direkt von meiner Unterkunft aus gestartet bin, bin ich mich im Nordosten auf den Weg gelangt. Es ist später Vormittag und die Sonne brennt. Schön, dass ich hier am Anfang meines Weges (Foto) noch einmal etwas Schatten bekomme. Neben mir fließt der Belziger Bach. Eine Infotafel zum Bach sagt mir, dass dieses Fließgewässer wie auch andere im Naturpark Hoher Fläming eine besonders gute Qualität haben und sich seltenere Bewohner zahlreich niederlassen. Dazu gehören unter anderem die Bachstelze,

 

 

 

 

 

 

der Bergmolch, der Edelflusskrebs und die Fadenbinse. Dieser Bach beherbergt alleine 16 Rote-Liste-Arten. Ein Stück weiter befinde ich mich wieder zwischen Häusern und steuere auf den Kurpark zu. In dessen Mitte befindet sich ein See, der zum Angeln genutzt wird und um den herum eine Vielzahl von Sitzmöglichkeiten ist. Schon bin ich wieder am Stadtrand und bewege mich zwischen neuer Bausubstanz und Feldern. Nach kurzer Zeit komme ich an diesen Wegpfeiler und möchte betonen, wie gut hier alles für die Wanderer ausgeschildert ist. Eine Karte oder ein Navigationsgerät werden hier wirklich nicht gebraucht. Das Thermometer zeigt im übrigen 35,5° Celsius (siehe Galerie) an und das im Schatten! Ein Umstand, der mir später noch schwer zusetzen wird. So schnell lasse ich mich aber nicht entmutigen. Ich habe ja noch den ganzen Tag Zeit. Mein Weg führt mich nun aus Bad Belzig heraus und in den Wald (nächstes Bild). Ich komme nicht weit, bis eine Ablenkung meinen Weg etwas

 

verlängert. Ein Schild mit dem Hinweis Hofverkauf und Paradiesplatz machen mich neugierig! Also auf zum Paradiesplatz. Dort treffe ich auf Thomas Beutler, der sich selbst als komischen Kauz bezeichnet. Er hat sich und seinen Hof der Permakultur verschrieben. Thomas war sehr nett und hat sich viel Zeit für mich und meine Fragen genommen. Er berichtete über seine Produkte und auch über die Schwierigkeiten, die ihm das Land Brandenburg bereiten. Im Internet könnt ihr auch einige Artikel dazu finden. Ich habe ein paar seiner Produkte gekauft und bereits genossen. Wer auf nicht so alltägliche Naturprodukte steht, sollte hier unbedingt mal vorbei wandern. Nach diesem interessanten und schönen Abstecher geht es weiter durch den Wald und schon stehe ich wieder in Bad Belzig. Einheimische grüßen mich und wünschen mir eine schöne Wanderung. Kaum bin ich der Stadt entkommen, stehe ich vor einer Mahn- und Gedenkstätte. Es ist das Außenlager Roederhof, welches zum

 

Frauenkonzentrationslager Ravensbrück gehörte. Solch ein Außenlager befand sich auch in Eberswalde. In Eberswalde hat der Exil e.V. dort seinen Sitz und versteht sich als Refugium gegen Rechts und erhält die Erinnerung der NS-Gräueltaten aufrecht. Hier in Bad Belzig wird dies mittels einer Tafel, eines Steins und Rosenstöcken getan. Es ist wichtig nicht zu vergessen! Ich gehe weiter und so langsam plagt mich die schwüle Hitze. Meine 3 Liter Wasser haben sich bereits auf einen Liter reduziert und jetzt geht´s mal wieder bergauf. Manchmal fragt man sich beim Wandern: „Bin ich verrückt? Warum tue ich mir das hier an?". Hilft aber alles nichts und um so schöner sind die kleinen Begegnungen unterwegs. So bin ich zum Beispiel auf die Eselnomaden getroffen. Es ergab sich ein schönes Gespräch und wir verglichen unsere Wege. Mein weiterer Wegverlauf wurde schon mal als sehr schön voraus gelobt. Bevor ich die Panoramaaufnahme gemacht habe, musste ich erst einmal total

 

verschwitzt und erschöpft eine schattige Pause einlegen. Nun ist auch mein letzter Liter ausgetrunken und vor mir liegen noch so einige Kilometer. Ein Blick auf die Karte verrät mir, dass ein Abbruch der Wanderung an diesem Punkt wirklich ungünstig ist. Also kämpfe ich mich inzwischen ganz langsam an den Feldwegen entlang und genieße die Landschaft und den Ausblick. Von oben verdunkelt sich der Himmel und ich habe langsam die Befürchtung in ein Hitzegewitter zu geraten. Ich wollte ja gerne Wasser, aber nicht auf diese Art und Weise. Um es kurz zu machen, das Wetter war mir gnädig gestimmt und entleerte sich in einiger Entfernung. Dieses letzte Drittel des Weges macht mir ganz schön zu schaffen. Ja, es sind ja nur 15 Kilometer, aber 35° fühlt es sich mehr an, gerade unter freiem Himmel. Jeder Windhauch wird zum Geschenk und führt zu Dankesgebeten an sämtliche bekannte Wettergottheiten. Was mich während dieses weg technisch wirklich

 

schönen Abschnitts weiter motiviert hat, sind die vielen kleinen und wunderschönen Begeben-heiten am Wegrand wie auf diesem Foto. Vor allem aber auch die Brauerei, die noch auf meinem Weg liegt. Ein absolutes Sehnsuchtsziel bei dieser Hitze. Nun geht es in die Rummel. Nein, dass ist schon richtig geschrieben. Es geht um das Trockental Steile Kieten. Trockentäler werden auch Rummel genannt. Natürlich gibt es hier auch wieder Infotafeln, die einen zur Fortbildung einladen. Kiete ist wohl ein brandenburgischer Begriff und bedeutet Grube oder auch Erdvertiefung. Die Felder und Kieten liegen hinter mir und es wird langsam wieder urbaner. Kleine Gärten, einige Häuser und Betriebsgeländer der Deutschen Bahn säumen meinen Weg. Zwischen einer schönen Gartenkolonie mit Hanglage bietet sich ein schöner Blick auf die Stadt (leider nicht fototauglich).  Ich nähere mich der Brauerei und meine Schritte bekommen wieder etwas Schwung. Die Aussicht auf ein kühles blondes Bierchen beflügeln mich.

 

Vorher habe ich aber noch die alte Postsäule bestaunt und einen Blick durch das Fenster in die Brauerei und Brennerei geworfen. Es gab nämlich nicht nur Bier, sondern auch hervorragenden deutschen Whisky. Im Cafe der Brauerei angekommen, erstaunte ich den Kellner mit genauen Wünschen ohne die Karte gehabt zu haben. Ich befreite meine Füße von den Sandalen und genoss die kühlen Steine an den Sohlen. Nach 3 kleinen Bieren und 2 kleinen Whisky habe ich mich auf den letzten Wegabschnitt für heute gemacht. Durch die Stadt, in die Touristinfo und in ein Lebensmittelladen führte mich mein Weg wieder in die Unterkunft. Ich war fertig, aber glücklich. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich beim Duschen mehr Wasser getrunken habe als auf meiner Haut gelandet ist, aber ich kann euch sagen, dass der Weg sehr schön war und es sich lohnt diesen einmal bei Gelegenheit zu gehen.

 

 

9,3 Meilen * 1,6 = 14,9 Kilometer

Kommentare: 0