Südfrucht vergeht, saure Gurke besteht

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Tag zwei mit Gerlind, unserem Besuch aus Schleswig-Holstein. Heute haben wir den Spreewald und Fontane auf dem Plan. Auf die Idee bin ich gekommen durch dieses Buch. An dieser Stelle möchte ich gleich sagen, dass wir uns während der Wanderung vom vorgeschlagenen Weg verabschiedet haben. Das hat zwei Gründe. Zum einen, haben wir unterwegs so viel Schönes und zeitintensives am Wegesrand entdeckt und zum anderen führt der vorgeschlagene Weg über den Gurkenradweg. Irgendwann waren es so viele FahrradfahrerInnen aus beiden Richtungen, dass wir uns für folgende Variante entschieden haben. Dadurch ist es von der Länge eher ein Ausflug mit Spaziergang. Für diese Jahreszeit (Mitte/ Ende Juni) und 30 Grad Celsius passt diese kleine Wanderung trotzdem gut. In der Nähe des Wassers ist es kühler, überall gibt es Möglichkeiten zu verschnaufen oder einzukehren. Wir starten unsere Wanderung am Bahnhof in Lübbenau, perfekt für die Anreise mit Zug und Auto, da Parkplätze

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg

 

"Eine Nachtpost fährt oder fuhr wenigstens zwischen Berlin und Lübbenau. Mit Tagesanbruch haben wir Lübben, die letzte Station, erreicht und fahren nunmehr am Rande des hier beginnenden Spreewaldes hin, der sich anscheinend endlos, und nach Art einer mit Heuschobern und Erlen bestandenen Wiese, zur Linken unseres Weges dehnt. Ein vom Frühlicht umglühter Kirchturm wird sichtbar und spielt eine Weile Versteckens mit uns; aber nun haben wir ihn wirklich und fahren durch einen hochgewölbten Torweg in Lübbenau, »die Spreewald-Hauptstadt«, ein."

vorhanden sind. Unser Weg führt uns gerade aus Richtung Altstadt und am Wegesrand, zu beiden Straßenseiten gibt es Kunst zu entdecken. Aus Holz geschnitzte Skulpturen und mit Gurkenmotiven bemalte Stromverteilerkästen. Einige davon habe ich abgelichtet und in der Galerie platziert. In der Altstadt angekommen, machen wir erstmal einen Abstecher in die Touristinfo und versorgen uns mit Infomaterialien, Wanderkarten und Spreewalddevotionalien. Im Abschluss sind wir in die Stadtkirche St. Nikolai. Weiter durch die Altstadt an vielen süßen kleinen Läden vorbei geht es für uns zum Schloss Lübbenau. Heute beherbergt das Schloss ein 4-Sterne Hotel und im Marstall sind Suiten untergebracht. Vor dem Schlossgelände thront Rochus Graf zu Lynar. Als wir auf ihn zugegangen sind und ich noch nicht wusste, um wen es sich handelt, witzelte ich noch, „dass ist bestimmt der Gurkenpatron“. Der Schlosspark ist frei begehbar und bietet eine schöne Sichtachse zum Fotografieren des Schlosses.

 

 

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg

 

"Es ist Sonntag, und die Stille, die wir vorfinden, verrät nichts von dem sonst hier herrschenden lebhaften Verkehre. Die Spreewaldprodukte haben nämlich in Lübbenau ihren vorzüglichsten Stapelplatz und gehen erst von hier aus in die Welt. Unter diesen Produkten stehen die Gurken obenan. In einem der Vorjahre wurden seitens eines einzigen Händlers 800 Schock pro Woche verkauft. Das würde nichts sagen in Hamburg oder Liverpool, wo man gewohnt ist, nach Lasten und Tonnen zu rechnen, aber »jede Stelle hat ihre Elle«, was erwogen für diese 800 Schock eine gute Reputation ergibt. Im übrigen verweilt Lübbenau nicht einseitig bei dem Verkauf eines Artikels, der schließlich doch vielleicht den Spott herausfordern könnte, Kürbis und Meerrettich schließen sich ebenbürtig an und vor allem die Sellerie, hinsichtlich deren Vorzüge die Meinungen nicht leicht auseinandergehen."

Wir gehen an der Orangerie aus dem Schlosspark heraus und direkt an die Spree. Somit stehen wir schräg gegenüber des großen Spreehafens von Lübbenau. Es handelt sich bei diesem Hafen aber lediglich um einen Umschlagplatz für Touristen. Hier starten und enden viele der Spreewaldkahnfahrten. Meine letzte Kahnfahrt ist über 20 Jahre her und muss auch weiter warten, da heute das selbstständige Vorankommen im Vordergrund steht. Wir machen Fotos von Fußgängerbrücken, eingedeckten und verpackten Kähnen. An der Spree entlang gehen wir Richtung Lehde und bemerken, dass direkt im Anschluss an den Schlosspark ein Campingplatz kommt. Ein etwas surreales Ensemble. Der Weg führt uns an Nasswiesen und kleinen Gräben entlang. Ab und an finden wir eine Bank und richten den Blick Richtung Aussicht. Ja, hier kann man wirklich mal zur Ruhe kommen, durchatmen und Vögel beobachten. Da das Fernglas zu Hause geblieben ist und wir noch frisch waren, zog es

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg

 

"Er übernahm unsere Führung, sagt ich, und nach kurzem Gange durch Stadt und Park erreichten wir den Hauptspreearm, auf dem die für uns bestimmte Gondel bereits im Schatten eines Buchenganges lag. Drei Bänke mit Polster und Rücklehne versprachen möglichste Bequemlichkeit, während ein Flaschenkorb von bemerkenswertem Umfang – aus dem, sooft der Wind das Decktuch ein wenig zur Seite wehte, verschiedene rot und gelb gesiegelte Flaschen hervorlugten – auch noch für mehr als bloße Bequemlichkeit sorgen zu wollen schien. Am Stern des Bootes, das lange Ruder in der Hand, stand Christian Birkig, ein Funfziger mit hohen Backenknochen und eingedrückten Schläfen, dem für gewöhnlich die nächtliche Sicherheit Lübbenaus, heut aber der Ruder- und Steuermannsdienst in unserem Spreeboot oblag."

uns  weiter nach Lehde, dem Venedig des Spreewaldes. Die meisten Grundstücke liegen hier auf eigenen Spreewaldinseln und sind nur über Brücken oder mit dem Boot erreichbar. Im Winter gehen auch Schlittschuhe, wenn es lang genug kalt und frostig war. Lehde ist ein richtiger Touristenhotspot. Sie kommen zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto und Kähnen in dieses kleine und beschauliche Örtchen. Das liegt wohl an der alten Bausubstanz und den Museen. Direkt im Ort angekommen, nehmen wir einen Abbieger zum Bauernhaus- und Gurkenmuseum. Für 2 Euro kannst du hier viel zur Spreewaldgurke und derer kulinarischen Verarbeitung erfahren. Meine Fotos von dort, bis auf 4 Stück, habe ich nicht eingestellt, das muss man selbst erleben. Nach der Bildungseinheit ging es weiter ins Dorf hinein. Auf dem Weg haben wir uns dann noch ein Gurkenradler besorgt, eine erfrischende Abwechslung (siehe Galerie). Dabei kommen wir an allerhand alten Gebäuden und dem Freilandmuseum Lehde vorbei.

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg

 

"Wir stiegen ein, und die Fahrt begann. Gleich die erste halbe Meile ist ein landschaftliches Kabinettstück und wird insoweit durch nichts Folgendes übertroffen, als es die Besonderheit des Spreewaldes: seinen Netz- und Inselcharakter, am deutlichsten zeigt. Dieser Netz- und Inselcharakter ist freilich überall vorhanden, aber er verbirgt sich vielfach, und nur derjenige, der in einem Luftballon über das vieldurchschnittene Terrain hinwegflöge, würde die zu Maschen geschlungenen Flußfäden allerorten in ähnlicher Deutlichkeit wie zwischen Lübbenau und Lehde zu seinen Füßen sehen."

 

 

Wir haben hier nur kurz über den Zaun gesehen und sind weiter gegangen und dann doch wiedergekommen. Wie anfangs erwähnt, war für uns wanderndes Publikum zu viel los auf dem Abschnitt nach Leipe, dem Gurkenradweg. Wir sind zum Freilandmuseum zurück und haben uns dieses in Ruhe angesehen. Neben den vielen alten spreewaldtypischen Gebäuden gab es auch jede Menge anschauliche Informationen zum Leben und der Besiedlung des Spreewaldes. Es handelt sich also um ein Kleinod und eine Reise in die Vergangenheit. Im Museum kann sogar geheiratet werden. Meine Frau und ich haben 2014 ja auch in einer Außentraustelle geheiratet und ich kann nur sagen, dass es doch wesentlich schöner ist als in einem normalen Standesamt. Darüber hinaus kann so jeder etwas Besonderes erleben, auch wenn nicht kirchlich geheiratet wird. Da diese Wanderidee auch durch das Fontanejahr in Angriff genommen wurde, haben wir uns sehr darüber gefreut, dass

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg

 

"Es ist Sonntag, die Arbeit ruht, und die große Fahrstraße zeigt sich verhältnismäßig leer; nur selten treibt ein mit frischem Heu beladener Kahn an uns vorüber, und Bursche handhaben das Ruder mit großem Geschick. Sie sitzen weder auf der Ruderbank, noch schlagen sie taktmäßig das Wasser, vielmehr stehen sie grad aufrecht am Hinterteile des Boots, das sie nach Art der Gondoliere vorwärts bewegen. Dies Aufrechtstehen, und mit ihm zugleich ein beständiges Anspannen all ihrer Kräfte, hat dem ganzen Volksstamm eine Haltung und Straffheit gegeben, die man bei der Mehrzahl unserer sonstigen Dorfbewohner vermißt. Und zwar in den armen Gegenden am meisten. Der Knecht, der vornüber im Sattel hängt oder, auf dem Strohsack seines Wagens sitzend, mit einem schläfrigen »Hoi« das Gespann antreibt, kommt kaum je dazu, seine Brust und Schulterblätter zurechtzurücken oder sein halb krummgebogenes Rückgrat wieder geradezubiegen, der Spreewäldler aber, dem weder Pferd noch Wagen ein Sitzen und Ausruhen gönnt, befindet sich eigentlich immer auf dem Quivive. Das Ruder in der Hand, steht er wie auf Posten und kennt nicht Hindämmern und Halbarbeit."

im Garten- und Anbauteil des Freilandmuseums jede Menge Tafeln mit Fontanezitaten zum Spreewald aufgestellt sind. Alles in Allem war die Rückkehr zum Museum ein voller Erfolg. Danach ging es wieder raus aus Lehde. Während wir an dem Tag denselben Weg wieder zurück nach Lübbenau gegangen sind, habe ich für euch eine Rundtour gebastelt. Es geht wieder zum Gurkenradweg, doch nicht in Richtung Leipe sondern in Richtung Lübbenau. Die Eindrücke auf diesem Weg sollten in etwa so wie dieses Foto sein. Ein wirklich schöner Weg durch den grünen Spreewald. So geht es dann am Leiper Weggraben zurück nach Lübbenau. Am Spreewaldhafen kommen wir wieder in die Stadt und gehen dann am Stadtgraben in einem kleinen Bogen wieder Richtung Bahnhof. Das war auch bei einer Hitze von 28-30 Grad eine gut begehbare Strecke mit schönen und informativen Entschleunigungen.

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg

 

"Einzelne Häuser werden sichtbar; wir haben Lehde, das erste Spreewaldsdorf, erreicht. Es ist die Lagunenstadt in Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1500 Jahren gewesen sein mag, als die ersten Fischerfamilien auf seinen Sumpfeilanden Schutz suchten. Man kann nichts Lieblicheres sehn als dieses Lehde, das aus ebenso vielen Inseln besteht, als es Häuser hat. Die Spree bildet die große Dorfstraße, darin schmalere Gassen von links und rechts her einmünden. Wo sonst Heckenzäune sich ziehn, um die Grenzen eines Grundstückes zu markieren, ziehen sich hier vielgestaltige Kanäle, die Höfe selbst aber sind in ihrer Grundanlage meistens gleich. Dicht an der Spreestraße steht das Wohnhaus, ziemlich nahe daran die Stallgebäude, während klafterweis aufgeschichtetes Erlenholz als schützender Kreis um das Inselchen herläuft. Obstbäume und Düngerhaufen, Blumenbeete und Fischkasten teilen sich im übrigen in das Terrain und geben eine Fülle der reizendsten Bilder. Das Wohnhaus ist jederzeit ein Blockhaus mit kleinen Fenstern und einer tüchtigen Schilfdachkappe; das ist das Wesentliche; seine Schönheit aber besteht in seiner reichen und malerischen Einfassung von Blatt und Blüte: Kürbis rankt sich auf, und Geißblatt und Convolvulus schlingen sich mit allen Farben hindurch. Endlich zwischen Haus und Ufer breitet sich ein Grasplatz aus, an den sich ein Brückchen oder ein Holzsteg schließt, und um ihn herum gruppieren sich die Kähne, kleiner und größer, immer aber dienstbereit, sei es um bei Tag einen Heuschober in den Stall zu schaffen oder am Abend einem Liebespaare bei seinem Stelldichein behilflich zu sein."

 

4,6 Meilen * 1,6 = 7,4 Kilometer

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